Theater Freiburg

Wir sind die Guten

von Mark Ravenhill

„Wir sind die Guten. Warum bombardiert ihr uns?“, klagt ein Chor von Frauen aus dem Westen. „Wir leben in einer guten Gegend. Ich entscheide mich immer für das Gute. Ich tue Gutes, während ihr ... Wir wissen, dass eure Kultur sehr anders ist. Wir begrüßen Andersartigkeit. Deshalb sind wir gute Menschen.“

„Wir sind die Guten“ ist ein aus 17 Minidramen bestehender, teils bitter-böser, teils absurd-komischer, schließlich auch tragischer Stückzyklus, den der britische Autor Mark Ravenhill 2007 unter dem Eindruck westlicher Militäreinsätze im Irak, in Afghanistan oder auch Serbien verfasste. Zwar steht jeder der Einakter für sich, doch ergeben sie in Summe ein gesellschaftliches Gesamtpanorama, das große Themen wie Krieg und Frieden, Zivilisation und Barbarei, Terror und Freiheit, Gut und Böse ebenso diskutiert, wie auch den Wunsch vieler Menschen nach mehr Sicherheit, angesichts eines immer stärker werdenden Gefühls, selbst im Alltag permanent nur noch von Gewalt und Kriminalität umgeben zu sein.

 

Presse

„Geschickt haben Regisseurin Lazic und Dramaturg Michael Billenkamp aus Ravenhills 17 Mini-Dramoletten ein Episodendrama kompiliert, das der Abschottungsphantasie immer tiefer auf den Nerv bohrt, bis sie eine Wellness-Schicht nach der anderen abwirft und in einer kreischenden Gewaltorgie implodiert... Die Frage ist: Was machen wir mit diesem Wissen? Und auf welcher Seite der Schulddusche stehen wir? Ein starker Auftakt für eine Theatersaison.“ Badische Zeitung

„Der Krieg gegen den Terror hat alle vergiftet, weil er ihn als gegeben ansieht: "Leben ohne Krieg hat noch nie ein Mensch geschafft", heißt es da. Doch der Regie gelingt es, all diesem wirklichen Schrecken abzubringen oder Trauer, wenn die Gemeinschaft ihre Aggression gegen ein bizarres Fellauge richtet, dass unschuldiger nicht sein könnte. "Wir sind die Guten" ist - obwohl eigentlich eine Reihung von Szenen - eine runde Sache. Ästhetisch, aber auch als Ensembleleistung. Lohnend.“ Kultur Joker

„Das Freiburger Bühnenbild lässt sich wie eine Parabel auf die Mauern des Westens lesen. Spielort ist eine Gated Community, deren Bewohner sich ihre Sicherheit durch Abschottung erkaufen. Das Leben in einer Blase: Der Innenhof hinter Mauern ist rosarot eingefärbt, mit Pool, Wellnessbereich und Palmengarten. Es bedarf vielleicht des Blickes von außen, um diese Thematik so bilderreich und stringent umzusetzen. (...) Gegen Ende der Inszenierung betritt eine Art Alien die Szenerie, halb Puschel, halb Minion. zum knuddeln süß? Ein Element des Kinder- und Jugendtheaters, das im Publikum anfänglich für Heiterkeit sorgt. Zunächst wird dieser Alien freundlich empfangen und vielfältig umarmt. Lazics Parabel auf die sprichwörtliche Willkommenskultur des Flüchtlingssommers mündet in Gewalt: Der Alien wird erst ausgegrenzt, dann eliminiert. Auf sichtbare und eindeutige Weise kontaktiert dieser offensichtliche Tabubruch die stolze Inschrift der Gated Community: ‚Wir sind die Guten‛.“ Theater der Zeit

Regie

Bojana Lazic

BÜHNE

Zorana Petrov

Kostüme

Gertrud Rindler-Schantl

Musik

Vladimir Pejkovic

Choreografie

Damjan Kecojevic

Licht

Mario Bubic

Ton

Sven Hofmann

Dramaturgie

Michael Billenkamp

BESETZUNG

Thieß Brammer
Marieke Kregel
Anja Schweitzer
Harmut Stanke
Coura-Lale Tall
Rosa Thormeyer

Einführung

halbe Stunde vor Beginn | Besucherzentrum des SWR

 

Nachgespräch

im Anschluss an die Vorstellung | Besucherzentrum des SWR

Preise

24 Euro / 12 Euro

SWR Studio 5


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